André Kostolany
Sa, Aug 18, 2007
Als einer der renommiertesten Börsenspezialisten international gilt noch heute, fast acht Jahre nach seinem Tode, der ungarische Spekulant André Kostolany.
Erst auf Wunsch seiner Familie wagte er den Schritt auf das Börsenparkett und absolvierte eine Ausbildung als Börsenmakler bei Perquel, nachdem er zunächst einen Abschluss in Philosophie und Kunstgeschichte erreicht hatte. Vor dem Krieg in die USA geflüchtet mit der Familie, erarbeitete sich André Kostolany innerhalb weniger Jahre nicht nur die Position des größten Aktionärs bei der G. Ballai and Cie Financing Company. Hier war er zudem als Generaldirektor eingesetzt. In der folgenden wurde aus dem Sohn eines jüdischen Industriellen ein wahrer Kosmopolit, der in Paris ebenso zuhause war wie an der Cote d’Azur. In den folgenden Jahren seiner Tätigkeit wurde Kostolany mit Spekulationen nicht nur außerordentlich wohlhabend. Er erarbeitete sich zudem einen Ruf als nahezu allwissender Börsenfachmann, der schnell mit Seminaren und Vorträgen zu Berühmtheit in Fachkreisen, aber auch darüber hinaus gelangte.
Im Laufe der nächsten Jahre verfasste er mehr als ein Dutzend Bücher rund um das Thema Börse und war als Kolumnist für renommierte Fachzeitschriften wie das deutsche Magazin Capital viele Hundert Male tätig. In diesen Büchern und Kolumnen verbreitete er seine viel zitierten Weisheiten zu Spekulationen und dem Finanzalltag, die sich wie Lauffeuer in der Branche verbreiteten. Aber auch Hochglanzmagazine versorgte er mit Ratschlägen für Kleinanleger, die an der Börse Geld investieren wollten. Bis zum heutigen Tage haben sich die Bücher des Ungarn mehr als 13 Millionen Mal verkauft in ganz Europa und den USA. Auch im Populärmedium des Fernsehens war André Kostolany ein gern gesehener Gast. Dies wird auch deutlich beim Blick auf die Werbung für einen großen deutschen Automobilhersteller Ende der 1990er Jahre. Kostolany wurde in Deutschland insbesondere durch die Mitbegründung der Vermögensverwaltung FIDUKA weiter bekannt, die seinerzeit für einigen Wirbel sorgte. Diese Zusammenarbeit mit Gottfried Heller führte den Spekulanten später auch nach München, wo das Unternehmen seinen Sitz hatte.


Oktober 26th, 2007 um 8:25 pm
Ein ganz grosser war André Kostolani, da gibt es sicherlich gar keinen Zweifel. Ob seine berühmte Anlageformel mit den Schlaftabletten heute noch Bestand hätte wge ich allerdings im neuen Zeitalter des Internets zu bezweifeln. Der ganze Markt dreht sich inzwischen viel schneller, und vor allem ist die Prozedur des Handelns mit Aktien heute durch das Internet wesentlich schneller geworden, und dementsprechend auch volatiler. Sicherlich gibt es genügend Bluechips die man über Jahrzehnte halten kann. Aber. ist das wirklich sie effektivste Anlageform in der heutigen Zeit?
http://www.investorsinside.de
November 23rd, 2007 um 10:44 am
Kostolany würde sich im Grabe umdrehen!
In einem zum Jahreswechsel 2006/2007 veröffentlichten Artikel
berichtete das Manager-Magazin von der Übernahme der
Fiduka Depotverwaltung durch das zur Oetker-Gruppe gehörende Bankhaus Lampe. Auf Basis des Artikels von Gottfried Heller im MMagazin (“Bloß keinen Scherbenhaufen”) (http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,455834,00.html) und weiterer gleichlautender Publikationen in der Presse wollte ich der Wahrheit Rechnung tragen und kurz über die tatsächlichen Umstände dieser, nach aussen hin so problemlos dargestellten Fusion, informieren. Passend dazu kann man seit einigen Jahren den nachhaltigen Trend beobachten, dass Bankhäuser aller Art und Größe bis dato unabhängige Vermögensverwalter übernehmen, um möglichst schnell und unauffällig in dieses von Vertrauen geprägte “peoples business” der Vermögensverwaltung einzudringen. Dass dadurch die Interessensgleichheit mit den Kunden und der am Kapitalmarkt so wichtige Wettbewerb konstant leiden, wird gerne verschwiegen.
Die seit über 35 Jahren bestehende Vermögensverwaltung (Gründung 1971 von André Kostolany und Gottfried Heller) arbeitete bis zu diesem Zeitpunkt unabhängig und mußte sich nach keinen institutionellen Vorgaben richten. Sowohl die offiziellen Aussagen der Lampebank, als auch die der Fiduka Depotverwaltung gingen (auch gemäß Ihrem Artikel) in die Richtung, dass diese Beteiligung ausschliesslich positive Auswirkungen für die Kunden und auch für die Mitarbeiter haben werde. In Wirklichkeit jedoch wurde nach nur wenigen Monaten das komplette operative Team der Fiduka (gesamte Kundenbetreuung und gesamter Research) ausgewechselt. Dies löste zwangsläufig eine Kündigungswelle von Seiten der
Kunden aus. Dass die Fiduka weiterhin mit der Unabhängigkeit auf Ihrer Internetseite wirbt, erachte ich als Frechheit.
Die Unabhängigkeit und Kontinuität in diesem Geschäft sind die höchsten Tugenden eines jeden Vermögensverwalters. Diese sollten langfristig als natürliches Gegengewicht zur standardisierten Bankenlandschaft fungieren. Mit ihrer 35 jährigen Historie und ihrem guten Ruf war die Fiduka Depotverwaltung genau solch eine wichtige Instituion, auch André Kostolany’s Grundphilosophie war: “Nicht reich muss man sein, sondern unabhängig!”
Nach der Übernahme durch die Lampebank wird sie diese Funktion
wohl nicht mehr wahrnehmen können. Und somit ist gegen die Aussage von Gottfried Heller (“Ich will doch nicht im Falle meines Ablebens einen Scherbenhaufen hinterlassen.”) genau das Szenario eines Scherbenhaufens und der Verlust der Unabhängigkeit eingetreten.
Damit geht ein weiterer unabhängiger Vermögensverwalter an eine Bank, Ob das im Sinne des Mitbegründers Kostolany ist, der die Unabhängigkeit stets als wichtigstes Kriterium für einen Vermögensverwalter gepriesen hat, ist wohl zu bezweifeln.
Ein unzufriedener ehemaliger Kunde