Indische Aktien: Wann überholt Sensex Indien die chinesischen Börsen?
Di, Nov 27, 2007
Die imposante Wirtschaftsentwicklung Chinas und die boomenden Börsenplätze Shanghai und Shenzhen beherrschen die Wirtschaftsnachrichten in Presse und Fernsehen. Obwohl nur wenige Aktien chinesischer Unternehmen international frei handelbar sind, konnten die Anleger mit diesen Investments, aber auch mit speziellen China-Fonds, beachtliche Gewinne erzielen. China wird als Motor der Weltwirtschaft angesehen und es ist nur noch eine Frage von wenigen Jahren, bis das Land die Vereinigten Staaten als Wirtschaftsmacht Nummer eins abgelöst haben wird.
Weniger Beachtung in den internationalen Medien findet dagegen ein anderer riesiger Markt mit stark wachsender junger Bevölkerung. Seit der Liberalisierung der indischen Wirtschaft zu Beginn der neunziger Jahre entstand eine neue Mittelklasse von 300 Millionen Menschen. Der Telekommunikationsmarkt, die Informationstechnologie und Teile des Dienstleistungssektors, beispielsweise Call-Center, weisen eine starke Entwicklung auf.
Dennoch sind indische Aktien nicht so populär wie die des chinesischen Aktienmarktes. Die Gründe liegen in den gewaltigen Schwierigkeiten des Landes. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Staatbürokratie ist mit kaum einer anderen Wirtschaftsmacht vergleichbar und die Verkehrsinfrastruktur ist außerhalb der großen Wirtschaftszentren unterentwickelt. Da der Anteil des Agrarsektors fast doppelt so hoch ist wie in China, haben auch die unberechenbaren Wettereinflüsse spürbare Auswirkungen auf den Zustand der Wirtschaftsleistung.
Chancen, eine ähnliche Entwicklung wie China zu nehmen, hat die indische Wirtschaft nur, wenn es gelingt, die Bürokratie abzubauen, die großen Staatsbetriebe, vor allem im Energie- und Bankensektor, zu privatisieren und die Gesellschaft, die immer wieder von sozialen und ethnischen Spannungen zerrüttet wird, weiter zu öffnen. Auch muss das Bildungssystem reformiert werden. Nur ein Viertel der indischen Kinder besuchen eine Schule, über 40 Prozent der Inder sind Analphabeten.
Wie schnell es gelingt, diese Defizite zu beseitigen, lässt sich genauso wenig vorausssehen wie die Entwicklung des indischen Aktienindex Sensex. Wer auf der sicheren Seite sein will, investiert in internationale Unternehmen – die außerhalb von Indien auch noch tätig sind.


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November 28th, 2007 um 7:37 pm
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