Börse Hongkong: Freier Wertpapierhandel
So, Dez 2, 2007
Der bedeutungslose Naturhafen Hongkong wurde im Jahr 1841 an die Kolonialmacht Großbritannien abgetreten und entwickelte sich, zunächst als Handels- und Militärstation der Briten, bis Ende der Neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu einem Wirtschaftsgiganten und einer der reichsten Regionen der Welt.
Einen besonderen Schub erhielt der Stadtstaat in den Jahren 1949 bis 1979 durch die Emigration vieler chinesischer Unternehmer, die mit ihrem Know-how aus dem kommunistischen Festland-China emigrierten. Nach dem Beginn des Reformprozesses in China ab 1979 profitierte Hongkong auch von den Sonderwirtschaftszonen, von denen eine, Shenzhen, direkt an Hongkong grenzt.
Seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft über Hongkong zum 1. Juli 1997 gehört das Land wieder zu China, bleibt aber wirtschaftlich unabhängig und die liberalste Marktwirtschaft der Welt. Die Steuersätze sind niedirg. Ein soziales Umverteilungssystem wie in den westlichen Demokratien gibt es nicht, das Land ist schuldenfrei. Die Hälfte von Chinas Wartenaustausch mit der westlichen Welt erfolgt über den Hafen Hongkong.
Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Börse Hongkong – im Gegensatz zu den beiden chinesischen Handelplätzen Shanghai und Shenzehn – brummt. Der Wertpapierhandel in Shanghai und Shenzhen ist in Kategorien mit unterschiedlichen Handelsbeschränkungen aufgeteilt. Der Börsenwert der hier gehandelten Unternehmen kann aufgrund der staatlichen Einflussnahme auf die wichtigsten Branchen nur schwer eingeschätzt werden. Der Staat ist oft Hauptanteilseigner der börsennotierten Unternehmen.
Die größeren und besser geleiteten Unternehmen Chinas, die auf den internationalen Märkten agieren, sind deshalb an der Börse Hongkong notiert. Sie gehörten handelsrechtlich der H-Kategorie an und werden auch Red Chips genannt. Diese Papiere können frei gehandelt werden und unterliegen auch ausländischen Investoren gegenüber keinerlei Beschränkungen.
Die chinesischen Verbraucher befinden sich derzeit auf einer unvergleichlichen Spekulationswelle. Hunderttausende von Aktien-Depots werden täglich neu eröffnet. Der Hang Seng Index der Hongkong Börse steigt seit Jahren steil nach oben. Welche Auswirkungen das Platzen dieser Blase haben wird, kann allerdings niemand sicher voraussagen.


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