Bilanztricks bei HSH Nordbank und HRE?
Do, Feb 4, 2010
Die Wirtschaftskrise hat auch und gerade bei den deutschen Landesbanken sichtbare und schmerzliche Spuren hinterlassen. Nur durch die Milliardenhilfen des Staates konnte Schlimmeres verhindert werden, um etwa die HSH mit einer Kapitalspritze von insgesamt drei Milliarden Euro zuzüglich zehn Milliarden Euro in Form so genannter Ausfallkredite vor weiteren Konsequenzen zu bewahren. Im Falle des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate waren schrittweise von Banken und dem Staat sogar Summen von etwa 100 Milliarden Euro geflossen. Und genau diese beiden Institute sollen laut einem Anwalt aus Hamburg – der einer Meldung des NDR zufolge inzwischen auch Strafanzeige gegen die Banken gestellt hat – 2007/2008 durch einen Trick ihre Bilanzen aufgebessert haben.
Dem Juristen liegen scheinbar interne Unterlagen und Mails vor, die beweisen, dass bei HRE und HSH Nordbank Belastungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro über eine unzulässige zeitweise Auslagerung an so genannte Zweckgesellschaften aus den Bilanzen gezogen worden seien. Zu diesem Zwecke sollen die Banken spezielle Tauschgeschäfte durchgeführt haben. So habe man den jeweiligen Jahresabschluss ohne die Auflistung von Risikokrediten erstellen können und verhindert, dass die zuständigen Bankaufsichtsbehörden einschreiten konnten. So hätte möglicherweise die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht intervenieren müssen, wenn die Eigenkapitalversorgung der Kreditbelastungen wegen zu gering ausgefallen wäre.
Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend erweisen, hätten die Banken nicht zuletzt auch ihre Aktionäre hinters Licht geführt, indem ihnen ein falsches Bild vermittelt wurde, damit sie ihre Aktien nicht verkaufen. Bleibt abzuwarten, was die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung gegen HSH und HRE nun ergeben werden. Beide Institute bezeichnen die Vorwürfe erwartungsgemäß als haltlos und im Falle der HSH sogar als absurd. Von Verstößen gegen geltendes Bankenrecht könne nicht die Rede sein.
Tags: BaFin, Bankenaufsicht, Bilanzen, Bilanzfälschung, HRE, HSH Nordbank, Hypo Real Estate, Immobilienfinanzierer, Landesbanken, Regierung, Staatshilfen


Februar 16th, 2010 um 4:35 pm
Na, dann lässt das Bankenrecht also solche Verstöße gnadenlos zu? Da alle Banken aus dem letzten Loch pfeifen, kann man sich gut vorstellen wie die Bilanzen der Banken tatsächlich aussehen. Wenn alles im Eimer ist, dann gibt es Milionenabfindung gell?