2010 – so die aktuellen Prognosen der Bankenbranche für das laufende Jahr – wird wirtschaftlich einen spürbaren Aufwärtstrend mit sich bringen. Dennoch werden viele Institute am Ende des Jahres einmal mehr Milliardensummen abschreiben müssen. Andreas Schmitz, seines Zeichens der Präsident des Dachverbandes BdB, erwartet für 2010 zweistellige Milliardenbeträge, die als Abschreibungen in den Bilanzen der Banken auftauchen werden.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Lage in der Kreditwirtschaft auch weiterhin eher angespannt ist. Schmitz gibt in einem Punkt aber dennoch Entwarnung: So scheint die Krise und die Phase der akuten finanziellen Belastungen allmählich überstanden zu sein. Und noch in einem anderen Punkt äußern sich die Banken zum jetzigen Zeitpunkt positiv. So erklären sich die privaten Institute bereit, einen Anteil an den Kosten für die Finanzkrise zu übernehmen. Der deutsche Bankenverband unterstützt aus diesem Grund ausdrücklich die Idee aus der Bundespolitik, einen Fonds zur Stabilisierung und zur Abwicklung von maroden Banken ins Leben zu rufen.
Die derzeitigen Pläne sehen vor, dass der neue staatliche Stabilisierungs- und Abwicklungsfonds aus dem SoFFin, dem zu Beginn der Krise geschaffenen so genannten Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, heraus entstehen könnte. Die Ankündigung des BdB ist ein erster wichtiger Schritt aus der Branche, denn der Verband vertritt die Interessen von immerhin knapp über 220 deutschen Privatbanken.
Nicht immer treffen die Stabilisierungsmaßnahmen von Seiten der Politik ins Schwarze, mancher Ansatz erweist sich schon rasch nach dem Start als wirtschaftlich wenig erfolgreich. Mit dem Konzept der so genannten Abwrackprämie, die bekanntlich eigentlich Umweltprämie heißt, ist es der Bundesregierung im vergangenen Jahr aber gelungen, einen Erfolg zu verzeichnen. Nicht nur für die Automobilbranche hat die Prämie einen wichtigen Beitrag leisten können, auch gesamtwirtschaftlich konnte die Abwrackprämie die gewünschten Verbesserungen sogar noch übertreffen.
Laut dem Statistischen Bundesamt haben die deutschen Verbraucher im Jahr 2009 etwa 73 Milliarden Euro ausgegeben, um einen Gebrauchtwagen oder ein neues Fahrzeug zu erwerben. Diese Summe entspricht einem Plus von knapp 20 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. Um 0,4 Prozent verbesserte sich infolge dieser Konsumlaune der Verbraucher auch das Gesamtvolumen der Konsumausgaben. Die Behörde spricht davon, dass diese Ausgaben ohne die Prämie insgesamt um etwa ein halbes Prozent gesunken wären. Verglichen mit der Automobilbranche ging es für den deutschen Einzelhandel 2009 um 2,3 Prozentpunkte bergab.
Ähnlich schlecht schnitt die Branche zuletzt zur Zeit der Wiedervereinigung ab. Beim Bundesamt für Statistik hält man es für wahrscheinlich, dass die Investitionsbereitschaft im Automobilbereich andere Branchen in Mitleidenschaft gezogen hat. Knapp 3,8 Millionen Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr in Deutschland neu zugelassen. Insgesamt dürfen sich die Verbraucher mit dieser Ausgabelust für 2009 als eine der wenigen Stützen der Konjunktur bezeichnen. Denn in vielen anderen Bereichen wie der Exportwirtschaft und der Industrie machte sich die schwierige Lage der Weltwirtschaft deutlich bemerkbar.
In vielerlei Hinsicht war das Jahr 2009 das härteste Krisenjahr für die Weltwirtschaft. Diese Tatsache schlägt sich nun statistisch auch bezüglich der Pleiten auf dem deutschen Unternehmenssektor nieder. Verglichen mit dem Vorjahr wurden bei den Amtsgerichten im Bundesgebiet insgesamt knapp 11,6 Prozent mehr Insolvenzen angemeldet. Dies entspricht laut den Zahlen des Wiesbadener Statistischen Bundesamtes einer Insolvenz-Gesamtmenge von 32.687.
Damit läutete 2009 im Grunde einmal mehr auch in diesem Bereich eine Trendwende ein. Denn zuletzt war die Insolvenz-Zahl im Jahr 2003 gesunken. In besagtem Jahr waren es in Deutschland 39.320, was bisher ein trauriger Rekord ist. Doch nicht nur viele Unternehmen im Lande sind im vergangenen Jahr in die wirtschaftliche Misere abgerutscht. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen – auch als Privatinsolvenzen bezeichnet – kletterte im zurückliegenden Jahr 2009 um etwa 3,0 Prozentpunkte auf einen Wert von 101.102, wie das Bundesamt zum Wochenbeginn mitteilte.
Auch hier ist ein deutlicher Wandel zu erkennen. Denn noch im Jahr 2008 war die Gesamtmenge der Verbraucherinsolvenzen im Vorjahresvergleich um mehr als sieben Prozent zurückgegangen. Abgerundet werden die aktuellen Zahlen durch die Angaben zu Selbständigen, die ihrerseits eine Pleite verbuchen mussten. Auch hier liegt das Wachstum der Insolvenzen bei 3,0 Prozent, was einem Wert von 24.636 entspricht. Zu hoffen bleibt nun wohl nur, dass 2010 endlich die Krisenauswirkungen eindämmen kann.
Zuletzt waren die Meldungen hinsichtlich der griechischen Finanzsorgen nicht unbedingt etwas, das Mut machen konnte. Doch es gibt sie, die Stimmen, die am Ende nicht alles so schwarzsehen wie bisher üblich. Zu den positiv gestimmten Experten gehört beispielsweise Giorgos Provopoulos, der Chef der griechischen Notenbank. Seiner Auffassung nach wird Griechenland nicht wie bisher vielfach erwartet nur mit internationaler Finanzhilfe die Krise überstehen können.
Der Notenbankchef ist vielmehr der Überzeugung, das Land sei durchaus imstande, die Probleme aus eigener Kraft zu meistern, ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Im Gespräch mit der Financial Times Deutschland weist Provopoulos die Horror-Szenarien, die derzeit in den Medien entworfen weisen von sich. Schon mit den ausgearbeiteten Sparplänen habe die Regierung in Athen unter Beweis gestellt, dass man durchaus die Bereitschaft mitbringt, massive Einschnitte und Maßnahmen in Angriff zu nehmen, um die nationale Krise mit Bravur zu überstehen. Neben den Sanierungsplänen hält der Notenbankchef auch die am vergangenen Donnerstag begonnene Ausgabe der Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit für einen wichtigen Schritt, um die Finanzmisere unter Kontrolle zu bekommen.
Daran, dass die Kosten zügig spürbar sinken werde, gibt es nach Auffassung des Experten jedenfalls nicht, auch wenn Griechenland einen hohen Preis habe zahlen müssen in den vergangenen Wochen. Bezüglich der negativen Ratings, mit denen Griechenland zuletzt vonseiten der Ratingagenturen zu kämpfen hatte, sieht der Chef der Notenbank keine weiterhin drohende Verschlechterung auf seine Heimat zukommen. Sollte Griechenland jedoch wider Erwarten doch auf wirtschaftliche Unterstützung angewiesen sein, hält Provopoulos die Euro-Zone für einen sinnvolleren Förderer als den Internationalen Währungsfonds (IWF).
Eigentlich ist die Volksrepublik China bzw. die Regierung seit einiger Zeit nicht gerade dafür bekannt, vorsichtige Ausblicke auf wirtschaftliche Entwicklungen zu geben. Doch in der jetzigen Phase warnt man im Reich der Mitte davor, die Finanzkrise schon für überstanden zu halten. Noch sei nicht absehbar, wann sich die Weltwirtschaft endlich dauerhaft erholen könne. Für die eigene Wirtschaft geht man in China davon aus, dass man spätestens 2013 wieder zum früheren Volumen der Exporte wird zurückkehren können, wie sie vor der Krise üblich waren.
Als Zeichen für die Vorsicht in China darf auch die Ankündigung verstanden werden, dass einstweilen keine Aufwertung des Yuan zugelassen wird, dennoch ist diese Meldung zugleich auch ein Indiz dafür, dass China sich allmählich von seiner festen Wechselkurspolitik verabschieden will. An einen weltweiten Aufschwung glauben die Regierungsexperten jedenfalls nicht, wie die Stimmen während der Jahrestagung des Volkskongresses in der Landeshauptstadt Peking erkennen ließen. Weder national noch international geht man davon aus, dass die Wirtschaftskrise bereits in vollem Umfang überstanden ist.
Konzentrieren will sich die Regierung Chinas zukünftig weniger auf den Export als darauf, im eigenen Land verstärkt für Konsum zu sorgen. Dass der Yuan zunehmend als politisches Thema diskutiert wird in den USA und der EU, hält Zhou Xiachuan, Chef der Zentralbank Chinas, für falsch. Man werde den Yuan zum richtigen Zeitpunkt aufwerten, derzeit jedoch sei das Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung noch nicht deutlich genug, um sich dem internationalen Druck zu beugen.
Über Monate hinweg kritisierte die Politik die Banken im Lande, weil sie angeblich (oder vielleicht auch tatsächlich) in zu geringem Maße Darlehen an die Verbraucher und vor allem an die Unternehmen vergab. Doch laut dem Münchener Ifo-Institut ist dies nun zunehmend ein Problem, dass aus Sicht der deutschen Unternehmen der Vergangenheit angehört. Die Banken vergeben endlich wieder mehr Kredite, so die Wahrnehmung der Unternehmen, nachdem sie lange Zeit von sehr restriktiver Kreditvergabe berichteten.
Im Februar gaben nur noch 39,9 Prozent der insgesamt 4000 befragten deutschen Firmen in der Umfrage des Institutes an, dass die Banken ihrer Einschätzung nach zu hohe Maßstäbe ansetzen und demzufolge zu oft einen Darlehensantrag ablehnen. So hoch dieser Wert zunächst klingen mag, noch im Januar waren etwa 42,4 Prozent der Umfrageteilnehmer dieser Meinung. Eine nicht unerhebliche Klima-Verbesserung also. Einmal deutlich wird die positive Grundstimmung bei den Unternehmen zur Kreditfrage dann, wenn man sieht, dass mit 39,8 Prozent im Januar des vergangenen Jahres das letzte Ergebnis mit einem Wert von weniger als 40 Prozent wurde.
Von einem Ende der Problematik bei der Kreditvergabe will man bei Ifo-Institut aber dennoch nicht sprechen. Die kommenden Monate seien entscheidend, ob die Unternehmen die nötigen Kredite erhalten, für deren Erhalt sie die rezessionsbedingt schlechten Bilanzen für 2009 vorlegen müssen. Des Weiteren mache sich die Krise in der Bankenbranche selbst ebenfalls noch immer deutlich bemerkbar im Kreditgeschäft. Besonders oft berichteten übrigens Unternehmen aus der Baubranche, vor allem aber aus dem Handel und der Industrie über eine Besserung bei der Bereitstellung von Kreditmitteln durch die Banken. Entspannung ist also durchaus zu spüren, nur über den Berg, so Ifo-Chef Sinn, ist man noch lange nicht.
Dienstag, März 16, 2010
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