Dank der zahllosen negativen wie positiven Schlagzeilen der vergangenen Monate ist ein Thema vollkommen untergegangen, dass noch Ende des vergangenen und Anfang dieses Jahres an dieser Stelle eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Die Rede ist von der Fusion des süddeutschen Traditions- und Familienunternehmens Schaeffler mit dem niedersächsischen Zulieferer für die Automobilbranche Continental. Schon 2008 waren erste Planungsarbeiten für die Zusammenführung der beiden Unternehmen begonnen worden, doch auch weiterhin will die Schaeffler-Gruppe nichts überstürzen. In dieser Woche betont das Management lediglich einmal mehr, dass man auf jeden Fall eine Fusion anstrebe.
Doch wann genau es zu einem solchen Zusammenschluss kommen soll, ist weiterhin unklar. Jürgern Geißinger, seines Zeichens der Chef des fränkischen Konzerns Schaeffler gab auf Medienanfragen einmal mehr zu Protokoll, man halte eine Fusion zum Ende des kommenden Jahres für denkbar. Von übermäßiger Eile will man aber nach wie vor nichts wissen. Oberste Priorität haben zunächst die fortgesetzten Bemühungen, beide Unternehmen zur früheren Stabilität zurückzuführen, wie man sie aus der Zeit vor dem Ausbruch der internationalen Wirtschaftskrise kennt. Zumindest im Falle des Unternehmens Schaeffler haben sich die Maßnahmen als erfolgreich erwiesen. So konnte der Konzern in den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 einen erfreulich großen Anstieg beim Umsatz verbuchen.
Um 31 Prozent verbesserte sich selbiger damit auf mehr einen Stand von 4,56 Milliarden Euro. Auch der operative Gewinn präsentiert sich im Vorjahresvergleich ausgesprochen positiv. Lag selbiger in der ersten Jahreshälfte 2009 noch bei nur etwa 108 Millionen Euro, verbucht Schaeffler im gleichen Zeitraum 2010 bereits einen Gewinn in Höhe von 739 Millionen Euro. Damit erklärt man die Krise beim Unternehmen zwar grundsätzlich überstanden. Dennoch hat die Übernahme von Continental zu einem Verlust von 260 Millionen Euro von Januar bis Juni 2010 geführt. Bis es zu einer endgültigen Fusion kommen kann, will man also erst einmal die Verluste minimieren.
Neben Indien und China ist Brasilien einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Nicht nur wegen der vor einiger Zeit ausfindig gemachten großen Reserven an Erdöl. Auch die brasilianische Börse gewinnt international zunehmend an Bedeutung. Das zeigen allein die Entwicklungen in den vergangenen 18 Monaten. Die Kurse an der Börse haben sich nur in diesen 1,5 Jahren insgesamt durchschnittlich verdoppelt. Damit sich dieser Trend auch in den kommenden Jahren fortsetzt, setzt die Börse nun auf den einstigen Fußballstar, der bis heute in Brasilien einer der wichtigsten Macher im Fußballsektor geblieben ist und zudem international eine echte Legende ist.
Das Problem der Börse: Bisher sind vor allem die Großinvestoren für die positiven Kursentwicklungen verantwortlich. Die Kleinanleger halten sich bisher noch zurück. Bisher sind nur etwa 500.000 Kleinanleger aktiv an der Börse Sao Paulo. Das erklärt Ziel der Kampagne mit dem dreimaligen Weltmeister Pele: Spätestens 2015 sollen mindestens fünf Millionen Anleger an der wichtigsten brasilianischen Börse investieren. In der Werbeaktion geht es darum, dass die Fußball-Legende die eigene Geschichte als aktiver Spieler mit den Entwicklungen bei Aktienkursen vergleicht. Die Aktion kommt an, sind die Brasilianer doch insgesamt eine fußballverrückte Nation. Die Hoffnungen der Verantwortlichen bezüglich des angestrebten Wachstum sind nachvollziehbar.
Denn schon in den vergangenen zehn Jahren konnte sich der brasilianische Leitindex Bovespa als echter „Outperformer“ präsentieren. Viele andere Schwellenländer konnte der Aktienmarkt Brasiliens deutlich hinter sich lassen. Daran konnte der kurzfristige Einbruch als dem Jahr 2008 kaum etwas ändern. Inzwischen entwickelt sich der Index wieder in Richtung neuer Rekorde. Die Wirtschaft des Landes kann allein in diesem Jahr ein Wachstum in Höhe von rund sieben Prozent erreichen. Damit ist Brasilien eine der großen Wachstumsmärkte weltweit.
Es ist nicht das erste Mal, dass der US-amerikanische Multi-Milliardär Rupert Murdoch selbst aktiv werden muss, um seinen Pay-TV-Sender Sky aus der Bredouille zu retten. Dass sich der Großaktionär dazu entschieden hat, abermals Geld in Millionenhöhe zuzuschießen, kann in gewisser Weise als gutes Zeichen für die anderen Anleger gedeutet werden. Nötig wurde die Finanzspritze in Höhe von rund 340 Millionen Euro durch Murdoch, weil die Aktie des Bezahlsenders Sky in den vergangenen Tagen immer wieder neue Rekord-Verluste hinnehmen musste. Allein am gestrigen Dienstag büßte die Aktie zwischenzeitlich bis zu 25 Prozent des Wertes ein. Immerhin mehr als ein Euro.
Ausgelöst worden war die Verkaufsbereitschaft vieler Aktionäre durch die Stellungnahme des Sky-Chefs Sullivan. Der Manager musste zugeben, dass die hoch gesteckten Unternehmensziele erneut nicht realisierbar seien. Statt wie angestrebt die Unternehmensverluste zu reduzieren, färben sich die Zahlen fortgesetzt dunkelrot. Dass sich Anleger große Sorgen machen, ist durchaus nachvollziehbar. Denn die letzte finanzielle Unterstützung durch den Milliardär liegt nur knapp acht Monate zurück. Das Vertrauen in das Unternehmen Sky sinkt entsprechend immer weiter. Bei den Analysten zieht man inzwischen Parallelen zum deutschen Bergbau. In diesem Bereich sei das einzige vergleichbare Beispiel dafür zu finden, wie über Jahre hinweg eine Branche bzw. ein Unternehmen durch Finanzspritzen in künstlicher Weise geschäftsfähig bleibt.
Für so manchen Broker steht fest: Das System Sky rechnet sich in der bisherigen Art und Weise einfach nicht. Rund 100.000 neue Abonnenten benötigt das Unternehmen angeblich. Doch pro Monat verbucht der Konzern momentan nur etwa 6000 Neuabschlüsse. Schon jetzt äußert Konzernchef Sullivan, Sky werde in diesem Jahr im operativen Geschäft deutlich mehr als die bisher angekündigten 170 Millionen Euro Minus erzielen. Das Problem an der Situation: Als Abnehmer der Bundesligarechte ist Sky auch in Deutschland ein wichtiger Geldgeber für so manchen Fußballverein. Eine Unternehmenspleite könnte also auch in anderen Bereichen deutliche Spuren hinterlassen.
Mit jedem Tag, den die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko (und den zahlreichen anderen Gebieten, die infolge der Strömung mittlerweile ebenfalls betroffen sind) nicht gestoppt werden kann, sinkt der Aktienkurs des britischen Mineralölkonzerns British Petrol weiter. BP muss entsprechend nicht nur mit ständig steigenden Schadenersatzforderungen klarkommen und Ausfälle verbuchen, sondern zudem mitansehen, wie die Gefahr immer weiter steigt, dass der Konzern endgültig ins wirtschaftlich Bodenlose abstürzt. Diese Sorgen spiegeln sich nun auch in Meldungen wider, die davon sprechen, dass angeblich inzwischen Konzepte für eine mögliche Rettung des BP-Konzerns in den Schubladen der britischen Regierung liegen sollen.
Diese sollen zum Einsatz kommen, falls das Unternehmen völlig auseinanderzubrechen drohen sollte. Und auch für den Fall, dass BP durch eine Übernahme zerschlagen werden soll, kann sich die Regierung nach aktuellen Meldungen eine staatliche Intervention vorstellen. Aus dem Umfeld der Regierung in London sind jedoch derzeit beruhigende Stimmen zu vernehmen. Die Pläne seien kein Hinweis darauf, dass man davon ausgehe, BP könnte tatsächlich in die Pleite steuern. Es handele es sich eher um übliche Vorkehrungen, die immer dann getroffen werden, wenn es zu solchen Krisenentwicklungen wie im Falle von BP komme. Dennoch kann man darüber spekulieren, ob die Meldung über die Existenz solcher Rettungspläne nicht bewusst gestreut wurde.
Denn zumindest beim Kurs der BP-Aktie hinterlässt die Mitteilung einen guten Eindruck. Am Dienstag legte das Wertpapier um immerhin gut 1,6 Prozentpunkte zu. Angesichts einer Beinahe-Halbierung des Aktienwertes seit Beginn der Katastrophe eine durchaus positive Neuheit. Ohne ein Eingreifen der britischen Regierung würde der Untergang von BP aber ohnehin nicht stattfinden. Da BP im Besitz des größten Anteils an der britischen Infrastruktur des Energiebereichs ist, ist eine Intervention zur Sicherung und Sicherheit der staatlichen Interessen mehr als wahrscheinlich im Ernstfall.
Inzwischen ist von rund drei Milliarden Euro die Rede, die das Unternehmen British Petrol für die bisherigen Rettungsversuche und Schäden ausgegeben hat, wie hoch die Kosten am Ende sein werden, hängst maßgeblich davon ab, ob die Experten das Bohrloch endlich bald werden schließen können. Momentan hat PB infolge der Probleme aber noch mit einem ganz anderen Risiko zu kämpfen. So sucht man derzeit händeringend nach einem strategischen Partner, um sich gegen die Gefahr einer drohenden Übernahme zu schützen.
Denn wenn ein Unternehmen wie BP an der Börse rund 100 Milliarden US-Dollar an Marktwert verliert, steigt automatisch auch die Gefahr, dass Konkurrenten wie beispielsweise Exxon Mobil oder das chinesische Unternehmen PetroChina die Gunst der Stunde nutzen könnten, um BP zu schlucken. Entsprechend wirbt das Management von BP um finanzstarke Unternehmen, denen man angeblich bis zu zehn Prozent der Anteile an BP anbieten möchte. Solche Maßnahmen können vielen Unternehmen immer wieder helfen, um Übernahmeversuche zu verhindern. Interesse angemeldet haben bereits verschiedene Staatsfonds, die wie so oft ihren Sitz in der Golf-Region haben.
Auch in Frankreich kann sich das Unternehmen Total einen Einstieg scheinbar vorstellen, sofern sich die Medienberichte als zutreffend erweisen sollen. Derweil bemüht sich das Unternehmen BP nun nach Ende der Sturmphase wieder mit großem Eifer um die Schließung des Lecks unterhalb der Plattform. Als sicher stufen Experten mittlerweile ein, dass nach Gelingen des Unterfangens mit einem Austausch des BP-Managements zu rechnen sein wird.
Inzwischen schon seit Monaten beobachten Börsenexperten und solche, die es noch werden wollen, die Planungen rund um den Börsengang der Agricultural Bank of China, der Landwirtschaftsbank Chinas, mit Vorfreude und Spannung gleichermaßen. Denn wenn die Rede vom wohl größten Börsengang aller Zeiten die Rede ist, ist auch die Aufmerksamkeit der internationalen Medien entsprechend groß – Superlative sind nun einmal generell ein echter Publikumsmagnet. Nun soll es Mitte dieses Monats also endlich so weit sein: Am 15. Juli 2010 will mit der Agricultural Bank Bank die viertgrößte chinesische Staatsbank aufs Parkett kommen, um Milliardensummen in die Kasse zu holen. Zuletzt hatte zunehmend dahingehend Sachlichkeit Einzug gehalten, dass die Bank mit ihrem Börsengang einen Weltrekord erringen könnte.
Mittlerweile ist bereits nur noch davon die Rede, dass die Bank wenigstens den zweiten Platz der weltweiten Rekordliste einnehmen wird ab Mitte Juli. Anfangs war von Einnahmen in Höhe von mindestens umgerechnet 30 Milliarden US-Dollar ausgegangen worden, nun hofft man noch auf darauf, wenigstens ansatzweise am der bisherigen Rekordmarke in Höhe von 22 Milliarden Euro kratzen zu können im Rahmen des Initial Public Offering – im Börsenjargon kurz IPO. Probleme könnte der Bank bei ihrem Start in den Börsenstart das derzeit schwache Börsenumfeld bescheren. Welchen Ausgabenpreis die Bank erzielt, wird am kommenden Mittwoch, dem 7. Juli, festgelegt. Für Experten stellt sich die Frage nach einem potentiellen Rekordergebnis jedoch vielfach gar nicht. Da es sich „nur“ um die schwächste der vier chinesischen Staatsbanken handelt, wären auch Ergebnisse knapp unterhalb des bisherigen Rekords mehr als ein ordentlicher Erfolg.
Zumal die Bank noch vor rund drei Jahren mit faulen Krediten in beträchtlichem Ausmaß kämpfte. Ihrem Aufgabengebiet entsprechend stammt ein großer Teil der Kunden aus den eher ländlichen Regionen Chinas. Ein wichtiger Schritt scheint bereits gemacht hinsichtlich des Börsengangs. Denn mittlerweile sollen etliche internationale Großanleger Interesse bekundet haben. So sollen beispielsweise die Staatsfonds der Staaten Katar und Kuwait einen Einstieg planen, um auf Chinas Bankensektor stärker als bisher Fuß zu fassen. Dies ist vor allem deshalb so wichtig, weil potentielle private Aktionäre in kritischen Phasen wie der aktuellen eher durch Zurückhaltung auffallen.
Donnerstag, September 2, 2010
0 Kommentar